Innerstädtische Verdichtung – Eine Gratwanderung am Beispiel Steinrausch/Martinstraße

Seit Ihrer Gründung vor über 35 Jahren hat die Langenfelder GRÜNEN der ständige Verlust an Natur und freier Landschaft umgetrieben. So haben wir uns in dieser langen Zeit regelmäßig gegen fast jeden Bebauungsplan ausgesprochen, der unseren Grüngürtel wieder ein Stück kleiner und unsere natürliche Umwelt wieder ein Stück ärmer gemacht hat. Leider haben wir die ausufernde Bebauung, die dabei ja hauptsächlich noch aus einer flächenfressenden Einfamilienhaus-Bebauung bestand, aufgrund der in Langenfeld bestehenden Mehrheitsverhältnisse im Rat nicht verhindern können. Dabei zeigt sich heute auch immer mehr, dass diese Baupolitik der letzten zwanzig, dreißig Jahre viel zu sehr am Gewinnstreben der Investoren orientiert war und weniger am tatsächlichen Wohnungsbedarf der Bevölkerung.

Denn heute stehen wir vor der Situation, dass es in Langenfeld auf der einen Seite erkennbar an bezahlbarem Wohnraum mangelt, auf der anderen Seite aber die Flächen knapp werden, auf denen Wohnungsbau überhaupt noch möglich ist. Und eins wollen wir GRÜNE auf keinen Fall, nämlich noch mehr von den Resten unseres Grüngürtels bebauen und die Grün- und Erholungsbereiche am Rand unserer Stadt noch weiter zurück drängen.

Es bleibt also die schwierige Aufgabe für uns GRÜNE, aber eigentlich für alle gewählten Mitglieder im Stadtrat, einen Kompromiss zu finden zwischen den Einwohnerinnen und Einwohnern, die nicht unbegründet die Forderung nach bezahlbaren Wohnungen stellen und denjenigen, die sich stellenweise an eine lockere Innenstadtbebauung, teilweise mit innerstädtischem Grün vor ihrer Haustür, gewöhnt haben.

Dabei machen die, in der Bürgeranhörung am 4.Oktober zur zusätzlichen Bebauung des Gebiets Steinrausch/Martinstrasse von der Stadtverwaltung vorgestellen Pläne deutlich, wie schnell man jedes vernünftige Maß für eine behutsame Wohnungsverdichtung im innerstädtischen Bereich überschreiten kann! Für die Menschen, die in den umliegenden Häusern zur Miete wohnen, sind die im Innern dieses Häuserquadrates liegenden Mietergärten ein Teil ihrer Lebensqualität. Die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Langenfelder Rat wird diesen Plänen deshalb nicht zustimmen.

Uns stört aber ebenfalls, dass der Bauverein, auf den ja die vorgestellten Pläne mit den insgesamt fünf neuen Wohnhäusern als Bauherrn zurückgehen, bisher die Gelegenheit nicht genutzt hat, an der Königsberger Straße 90 bis 130 neue Wohnungen zu bauen, obwohl es dafür seit 2009 einen fertigen Bebauungsplan gibt.

Hier erwarten wir auch von den Mitgliedern des Bauvereins, dass sie ihrem Vorstand auf einer Mitgliederversammlung deutlich machen, dass erstens die Bebauung an der Königsberger Straße längst überfällig ist und die jetzt von der Stadtverwaltung vorgestellte, aber im Detail vom Bauverein initiierte Planung an der Martinstraße in dieser Form nicht den Interessen der Mieter und Mitglieder entspricht!

Einige Anwohner haben sich ja auf der Bürgeranhörung am 4. Oktober auch nicht generell gegen jede weitere Bebauung ausgesprochen, sondern in erster Linie gegen die geplante massive Bebauungsdichte. Deshalb sollte man aus unserer Sicht überlegen, statt der vorgestellten fünf neuen Häuser zum Beispiel nur zwei davon zu bauen und diese möglichst passend in den vorhandenen Raum zu integrieren. So ließe sich vielleicht – und dies würden wir uns wünschen – der schon angesprochene Kompromiss finden zwischen der notwendigen Errichtung bezahlbarer Wohnungen und dem Erhalt des größeren Teils der Gartenflächen, den sich die Anwohner wünschen.

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