Menschlichkeit macht sich nicht an Zahlen fest

Auch an Langenfeld, sonst eher als „Insel der Glückseligen“ bekannt, geht das zentrale Thema der letzten Monate nicht vorbei. Wie umgehen mit den Flüchtlingen, die in großer Zahl aus den Kriegs- und Krisengebieten im Nahen Osten und in Afrika, meistens unter akuter Lebensgefahr, in der Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben zu uns kommen? Nicht hoch genug einschätzen kann man die große Hilfsbereitschaft bei einzelnen Langenfelder Bürger/innen, bei den Sportvereinen und anderen sozialen Akteuren. Dies verdient Respekt und Anerkennung.

Klar ist aber auch, wir müssen bald die Provisorien hinter uns lassen und zu einer zukunftsfähigen Art des Umgangs mit den geflüchteten Menschen kommen. Bei der Unterbringung wird es nicht reichen, nur neue Sammelunterkünfte zu bauen oder zu mieten (was ja bereits auf den Weg gebracht ist), hier muss auch das Thema regulärer Unterbringung in Wohnungen verstärkt auf die Tagesordnung. In besonderem für die Unterbringung von Flüchtlingsfamilien mit Kindern. Noch viel wichtiger aber wird es sein, in Zukunft das Thema Integration ganz oben anzusiedeln. Nach Ansicht der GRÜNEN ist hier die Stadt Langenfeld mit einem durchdachten Integrationskonzept gefordert, dass auf vier Säulen beruhen muss.

Bei einer frühen und systematischen Sprach- und Bildungsförderung wie bei der Integration in Erwerbstätigkeit reichen die Aktivitäten von Einzelpersonen, so anerkennenswert sie auch sein mögen, nicht aus. Es gilt, professionelle und dauerhafte Netzwerke zu knüpfen und zu koordinieren, von Kita’s über Schulen, Städtische Sozialarbeiter, (Sport-)Vereine, Ausbildungsbetriebe, Vermieter u. v. a.

Die Akzeptanz unserer demokratischen Grundwerte, die für die Neuankömmlinge unabdingbar ist, erreichen wir allerdings nicht durch Einbürgerungstests, sondern durch die Möglichkeit zur Teilhabe an politischen und gesellschaftlichen Diskussionen und Entscheidungen auch auf kommunaler Ebene.

Parallelgesellschaften, die sich nicht zuletzt über eine fremdsprachig weitergegebene und gelebte Religion definieren, können wir nur verhindern, wenn wir den Islamunterricht nicht nur den Koranschulen überlassen, sondern in einen deutschsprachigen Religionsunterricht integrieren. Nur so ist die Entwicklung eines aufgeklärten Islam, der in unsere pluralistische und säkulare Gesellschaft passt, möglich.

Beitrag für L.aktuell

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