Raubbau am Grüngürtel geht weiter!

Nach siebenjähriger Beratungszeit wurde am 14. Dezember 2017 der neue Regionalplan für die Planungsregion Düsseldorf, zu der auch Langenfeld gehört, vom zuständigen Regionalrat beschlossen. Zu Beginn des Erarbeitungsprozesses hatten sich die Fraktionen und die Bezirksregierung noch auf so wichtige Ziele verständigt wie:

  • – Reduzierung des Flächenverbrauchs bei der Neuausweisung neuer Siedlungsflächen
    – Erhaltung des Freiraums zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und als landwirtschaftlicher Produktionsstandort
    – Anpassung der Flächenbedarfsberechnung an die demografische Entwicklung
    – Innen- vor Außenentwicklung, vorrangige Nutzung von Brachflächen
    – Umsetzung der Klimaschutzziele NRW u.a. durch die Bereitstellung ausreichender Flächen für die Windenergie
    – Anpassung der Raumentwicklung an den Klimawandel
    – Interkommunale Zusammenarbeit bei der Gewerbeflächenentwicklung
    – Ausschluss des Fracking.

Von diesen Prinzipien hat sich der Regionalplan, der insgesamt dreimal offengelegt worden ist, im Laufe des Verfahrens immer weiter entfernt. Die „ganz große Koalition“ im Regionalrat von CDU/SPD/FDP hat schon sehr frühzeitig dem Druck der Wirtschaft und der Kommunen nach mehr Siedlungsflächen nachgegeben. Die GRÜNE Fraktion im Regionalrat hat dagegen an diesen Zielen fest gehalten und deshalb die letztendlich zur Abstimmung stehende Fassung abgelehnt.

Neue Gewerbe- und Wohnbauflächen in Richrath – rot schraffiert

Mit der Aufnahme weiter ausufernder Siedlungsflächen in den Regionalplan hat sich auch die hiesige Stadtverwaltung, unterstützt von CDU-, FDP- und teilweise SPD-Fraktion mit ihren Forderungen an den neuen Regionalplan in vielen Punkten durchgesetzt. Was bedeutet dies jetzt für die weitere Entwicklung in Langenfeld:

1. Im Norden Richraths ist der Weg frei für eine rege Bautätigkeit in den nächsten Jahren (siehe nebenstehenden Kartenausschnitt). So kann an der Wolfhagener Straße, östlich des Galkhausener Baches und mitten im Grüngürtel, ein etwa 10 Hektar großes Gewerbegebiet entstehen. Was das außerdem für den Verkehr in Wolfhagen bedeutet, kann man sich problemlos ausmalen. Auch nördlich von Tönnesbrucher Feld und Winkelstraße wird die Bebauung auf Kosten bisherigen Grünlands (ca. 5 Hektar) bis zum Baggersee möglich sein.

2. Entgegen des sonst üblichen Verzichts auf die Bebauung von Wasserschutzzonen wird längs der Knipprather Straße, im Umfeld des bestehenden Gartencenters und neuen P+R-Parkplatzes ein neues Gewerbegebiet ermöglicht. Dabei wird etwa nochmal das anderthalbfache der Fläche, die jetzt bereits bebaut ist, vom Grüngürtel abgeschnitten und für eine Bebauung freigegeben.

3. Einen massiven Eingriff in den Grüngürtel würde die Realisierung einer Bebauung der Fläche am Flachenhof mit 25 Hektar bedeuten. Dieser Bereich wird zwar nicht unmittelbar als neues Siedlungsgebiet zur sofortigen Bebauung ausgewiesen, aber als sogenannte “Sondierung für eine zukünftige Siedlungsentwicklung” festgelegt. Mindestens ergibt sich für die Langenfelder Planer damit ein 25-Hektar-Tauschpfand für einen Eingriff in den Grüngürtel an anderer Stelle – wie schon einmal geschehen.

Neue Wohnbauflächen in Reusrath – rot schraffiert

4. Natürlich kann sich auch Reusrath über die Segnungen neuer Bebauung freuen. Hier sind Teilflächen des Grüngürtels an der Brunnenstraße südlich der Gieslenberger Straße und Bereiche an Sandstraße und Am Collmar betroffen (siehe nebenstehenden Kartenausschnitt).

5. Das Gespenst der B229n ist wieder da. Obwohl diese seit Jahrzehnten durch die Verkehrsdiskussionen in Langenfeld und Solingen irrlichternde Straßenplanung garnicht mehr im Bundesverkehrswegeplan enthalten ist und der Neubau durch die erfolgreich umgebaute A3-Anschlussstelle Solingen nie überflüssiger war, taucht sie nun im neuen Regionalplan wieder als Liniendarstellung von “regionaler Bedeutung” auf.

Natürlich werden nicht morgen bereits die Bagger anrollen. Noch müssen alle diese “Flächenfreigaben” durch den Regionalplan erst durch städtische Bebaungspläne in längeren Verfahren zu Bauland werden. Aber für uns GRÜNE ist klar, dass wir diesen neuen Eingriffen in den Grüngürtel in den Beratungen auf keinen Fall zustimmmen werden.

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