Gedenken gegen das Vergessen – Novemberpogrom am 9. November 1938 in Langenfeld

Wie die Bestien ging es an die Garage, durch die Läger ins Haus und dabei wurde alles mit Äxten, Beilen und Seitengewehren zerstört, was ihnen begegnete. Keine Tür, kein Schrank Tisch Stuhl Lampen Porzellan Glas ist verschont geblieben. Brennende Öfen wurden umgestürzt, der Gasherd aus der Wand gerissen, die Wasserleitungen zerstört {…} ein fürchterliches Trümmerfeld, dabei tiefdunkle Nacht ohne jedes Licht“.1

So schildert die jüdische Langenfelderin Aenne Berger ihrem Bruder Hermann Berger, der im September 1938 nach Südamerika ausgewandert war, in einem Brief die bewusst vorgenommene Zerstörung ihres Elternhauses durch die SA.

In ganz Langenfeld kam es am 9. Und 10. November 1938 zu Übergriffen und zur Verwüstung jüdischer Geschäfte und Wohnhäuser. Die Synagoge an der damaligen Adolf-Hitler-Straße 101 (heute Ecke Hauptstraße/Wilhelmstraße) wurde dem Erdboden gleichgemacht, der jüdische Friedhof in Richrath geschändet.
Eine Gedenktafel am Stadtmuseum erinnert an die Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung Langenfelds vor 82 Jahren.
Viel Wasser ist seitdem den Rhein herunter geflossen, der Antisemitismus aber konnte dadurch nicht weggespült werden. Im Gegenteil, antisemitische Einstellungen scheinen wieder salonfähig zu werden: Was lange nur hinter vorgehaltener Hand geäußert wurde, wird nun laut und selbstbewusst vorgetragen, ja hält sogar Einzug in den Deutschen Bundestag und einige Länderparlamente. Antisemitisch motivierte Kriminalität erreichte 2019 einen Höchststand, den traurigen Höhepunkt bildet dabei der Anschlag von Halle.
Die AfD ist nicht in den Langenfelder Rat eingezogen, ein Ergebnis, auf das wir stolz sein können, auf dem wir uns aber nicht ausruhen sollten. Es liegt an uns allen, das Gedächtnis an den 9. November aufrecht zu erhalten und kommende Generationen gegen eine wie auch immer geartete Radikalisierung zu sensibilisieren und zu schützen.

Die Grünen bemühen sich deshalb darum, mehr finanzielle Mittel für Demokratiebildung und Wertevermittlung im Haushalt bereit zu stellen, um sich antisemitischen Strömungen aktiv entgegenzustellen.

1 Quelle: Archivsammlung Rolf Müller, Opladen. Auszug aus einem Brief von Aenne Berger an ihren nach Südamerika ausgewanderten Bruder Hermann Berger

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